Skip to content

Quiet Quitting is an erfundener Pattern

  • TRENDING

Angestachelt von Beiträgen in Sozialen Medien und befeuert von falsch verstandenen Statistiken, reden selbsterklärte Arbeitsexperten eine Epidemie herbei: Vor allem junge Deutsche gingen nur noch wegen des Gehalts zur Arbeit; innerlich hätten sie längst gekündigt und leisteten nur das Nötigste. „Früher warfare alles besser“, heißt es dann sinngemäß. „Mama und Papa haben noch rangeklotzt.“ Dabei hatten Mama und Papa genauso viel oder wenig Bock wie wir heute. Als Teil der Era, die innerlich angeblich schon gekündigt hat, sage ich: Quiet Quitting ist ein erfundener Pattern.

Quiet Quitting is an erfundener Pattern

Natürlich stimmen viele der scheinbaren Begründungen, die Quiet-Quitting-Gläubige für die Jobskepsis junger Menschen liefern: Das Elternhaus in Großstadtnähe ist für unsere Era unbezahlbar geworden. Dank Fachkräftemangel fürchten wir keine Arbeitslosigkeit. Corona-Lockdowns haben uns gezeigt, wie viel Leben außerhalb des Büros stattfindet.

Deswegen gehen Angestellte heute auch mal mit Mitte 30 ins Sabattical. Das ist neu, keine Frage. Quiet Quitting stellt aber eine andere Eskalationsstufe dar. Dafür, dass sie nur herbeigeredet wird, gibt es drei Beweise:

1. Quiet Quitter gab es schon immer

Auch wenn wir uns einreden wollen, unsere Eltern hatten alle zehn Stunden Vollgas gearbeitet, ein Teil von ihnen saß schon damals die Zeit ab oder wechselte in ruhigere Berufe. Unsere kindliche Naivität konnte sich das nur nicht vorstellen. Befeuert durch Soziale Medien erkennen wir jetzt die schreckliche Arbeitswahrheit und reagieren schockiert. Das sagt mehr über uns aus als über tatsächliche Veränderungen.

Klar magazine es aufschrecken, wenn einer von fünf Angestellten angibt, das absolute Minimal zu liefern. Wer diese Zahl verstehen will, muss sich aber fragen, wie viele Angestellte vor zehn oder 20 Jahren genauso dachten. Umfragen zeigen: Es waren eher mehr.

„Quiet Quitting“ magazine dem Phänomen einen attractive Namen aufgedrückt haben. Neu ist es nicht. Angestellte arbeiten heute eher motivierter als früher.

2. Bei Arbeit geht es um mehr als Betongold

Selbsternannte Quiet-Quitter-Versteher erklären die vermeintliche Arbeitsmüdigkeit junger Menschen gerne mit in außer Reichweite geratenen Träumen. Wer sagt, ohne Hoffnung aufs Großstadt-Eigenheim verfliegt die Arbeitslust, magazine sich in die eigene Erzählung verlieben. Unrecht behält er trotzdem.

Ein Haus im Dorf meiner Eltern könnte sich auch heute noch quick jeder leisten. Ein Haus in München hätten meine Eltern auch vor 30 Jahren nicht bezahlen können. Meine Großeltern lebten alle ihr Leben lang zur Miete und arbeiteten trotzdem gerne. Die angeblich riesigen Unterschiede verkümmern bei genauer Betrachtung.

Für ein Haus arbeiten ohnehin die wenigsten. Wie Millionen Menschen, die seit Jahrzehnten in Deutschland ohne Aussicht auf Betongold unser Land zusammenhalten, magazine ich meine Kollegen, will meinen Beitrag zur Gesellschaft leisten und habe von meinen Eltern irgendwann beigebracht bekommen: „Wenn du was machst, mache es ordentlichen.“ Generationsübergreifen.“ Bedürfnisse encourage unsere Era zur Arbeit; Hauspreise hin oder her.

3. Die Welt ist nicht hoffnungsloser als früher

Wer behauptet, jungen Menschen fehle angesichts des Klimawandels der Antrieb zur Arbeit, sollte sich einen James-Dean-Movie oder einen Nirvana-Songtext anschauen: Hoffnungslosigkeit kennt jede Era; ihre Ikonen brachten diese zum Ausdruck. Ob die Selbstzerstörung wegen Atomkriegsgefahr oder Klimawandel droht, macht keinen Unterschied.

Zur Arbeit gingen die Menschen dennoch immer. Weil sie Gefahren lieber helfen einzudämmen, als sie durch Teilnahmslosigkeit zu verschlimmern. Das galt für die Punks der 70er, die Grunge-Youngsters der 90er, und das wird auch für die heutige Era gelten.

Quiet Quitting? Die gleiche alte Leier

Wer derzeit die große Arbeitslustlosgkeit herbeiquatscht, wirkt clever, erzählt aber eine neue Variante des gleichen Märchens, mit dem sich die Menschen seit Jahrzehnten Unsinn einreden: In den 1950er-Jahren behaupteten viele, bald besitze jedes Hauskra ein kleines. In den 1970er-Jahren meinten sie, die Menschheit besiedle bald den Mars; in den 1990ern, es gebe nie wieder Krieg; und in den 2000ern, Terrorismus tötet uns alle. Jede Zeit bewertet Neues über.

Quiet-Quitting-Erzähler tun das gleiche. Weil ein paar Leute in Sozialen Medien behaupten, sie leisteten so wenig wie möglich, reden sie uns ein, bald arbeite jeder nur noch im Lustlos-Modus. Und weil jeder gerne glaubt, junge Menschen seien heute ganz anders als früher, bedenkt niemand, dass sich die Welt eher gemäß dem langjährigen Durchschnitt entwickelt als komplett umkrempelt.

Die Träume, die viele unserer Eltern zur Arbeit ins Geschäft trieben, träumen GenZ und GenY heute weiter. Dass sie dabei weniger Stunden schuften, entspricht dem jahrhundertelangen Pattern. Dass sie in dieser Zeit mal mehr, mal weniger Motivation spüren, ebenso. Ihr Bestes geben sie trotzdem.

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *