Skip to content

Einweg-Vapes liegen im Pattern – doch die bunten E-Zigaretten bergen Risiken

  • TRENDING

Einweg E-Zigaretten wirken bunt, lecker und auf viele Jugendlichen harmlos. Bild: iStockphoto / grinvalds

Analyze

Julia Jannaschk

Elektronische Zigaretten kannte man früher meist nur von Rauchern, die sie als Mittel dafür benutzten, um mit dem Rauchen aufzuhören. Die sogenannten E-Zigaretten oder Vapes wirken auf den ersten Blick harmlos: Sie funktionieren auf Foundation von Wasserdampf, stinken nicht und kommen ohne Zigarettenstummel aus. Immer stärker werden Vapes zum Pattern – gerade bei Jugendlichen.

Laut der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZGA) is unter den 12- bis 25-Jährigen der Anteil derer, die eine E-Zigarette mindestens einmal konsumiert haben, von rund 15 Prozent im Jahr 2012 auf knapp 27 Prozent im Jahr 2021 gestiegen. Beim Konsum von Tabakzigaretten hingegen ist der Pattern seit vielen Jahren rückläufig.

Knallbunt und fruchtig: So wie es Jugendliche mögen

Auf der Suche nach dem “Wieso” wird man schnell fündig. Die schlichten E-Zigaretten haben sich weiterentwickelt zu trendigen Accessoires: Einweg-Vapes sind quietschbunt und lecker. Sie liegen in vielen Kioskregalen direkt neben Süßigkeiten und Kaugummis und locken mit süßen Geschmacksrichtungen wie “Cheese Cake”, “Cola”, “Lemon Tart” or “Mango Milk Ice”. Trotzdem enthalten sie meistens Tabak.

Hauptsache bunt: Ein Reigen an E-Zigaretten.

Hauptsache bunt: Ein Reigen an E-Zigaretten.Bild: www.imago-images.de / imago-images

“Dann ist es auch egal, ob die Leute rauchen oder dampfen. Das Suchtpotenzial ist im Grunde gleich.”

Suchtexperte Michael Klein

Diese Einweg E-Zigaretten von Marken wie Elf Bar und Glimp, auch Disposables genannt, enthalten ebenfalls einen Akku, der aber nicht wieder aufgeladen werden kann. Darüber hinaus kosten sie meist nur zwischen sechs bis zehn Euro und enthalten 600 Züge, umgerechnet zwei bis drei Zigarettenschachteln. Disposables sind damit für Jugendliche deutlich günstiger als Zigaretten. Eine Marketingmasche, um vor allem die jüngere Technology als künftige Tabak-Konsumenten zu gewinnen?

Suchtexpert Michael Klein sagt im Gespräch mit watson: “Mit diesen schönen bunten Farben und dem Design, ist das natürlich ‘klasse’ gemacht, um Kinder und Jugendliche anzusprechen.” Er ist Professor für Klinische Psychologie und Suchtforschung an der Katholischen Hochschule in Köln und battle Leitender Psychologe vom Deutschen Institut für Sucht- und Präventionsforschung (DISuP). Aus seinem Berufsalltag weiß Klein: Gerade Mädchen seien anfälliger für solche schrillbunte “Geschmacksbomben”. Die Vapes würden so konstruiert, damit auch Mädchen eher konsumieren.

Michael Klein ist Psychologe und Suchtexperte.

Michael Klein ist Psychologe und Suchtexperte. bild: non-public

Doch was viele nicht wissen: Mögen sie noch so unscheinbar und hübsch daherkommen – viele Elektrozigaretten enthalten ebenfalls Nikotin. “Dann ist es auch egal, ob die Leute rauchen oder dampfen. Das Suchtpotenzial ist im Grunde gleich”, sagt Klein. “Das ist quasi das Anfixen, man befördert mit den nikotinhaltigen Geschmackswahrnehmungen den Konsum.”

“Nikotin an sich ist ein hochpotenter Stoff. Vom Suchtrisiko kommt er in der Reihe der Suchtstoffe dem Heroin nahe.”

Psychologe und Suchtexperte Michael Klein

Ebenso wie die gesundheitliche Gefahr, die von nikotinhaltigen E-Zigaretten ausgeht, egal ob aufladbar oder nicht:

“Dampfen ist grundsätzlich nicht gesund. Es gibt viele Berichte von Neurologen und Fachärzten, dass es durch das Dampfen immer wieder Reizungen oder Mikroentzündungen gibt im Hals, Rachen und in den Bronchien. Das Dampfen ist zwar weniger schädlich als das Qualmen, aber grundsätzlich gesund.”

E-Zigaretten als Einstiegsdroge

Der Psychologe warnt eindringlich vor der Gefahr, Einweg-Vapes zu verharmlosen. Wenn Nikotin enthalten sei, sei die Wirkung laut Klein genauso gefährlich wie bei normalen Zigaretten:

“Nikotin an sich ist ein hochpotenter Stoff. Vom Suchtrisiko kommt er in der Reihe der Suchtstoffe dem Heroin nahe. Die Stoffe haben ein ähnlich hohes Risiko, weil sie die Synapsen im Gehirn sehr deutlich und sehr stark besetzen.”

Oft wird davor gewarnt, dass die lustigen, bunten Disposables eine Einstiegsdroge für Zigaretten und andere Drogen sein könnten. Ähnlich wie Anfang der 2000er Jahre die süßen, aber hochprozentigen “Alkopops” wie “Rigo” und “Breezer”.

Der Suchexperte Michael Klein warnt jedoch vor voreiligen Schlüssen. Ob Konsumenten von nikotinhaltigen Vapes häufiger zu Rauchern würden, sei noch nicht ausreichend belegt. Schließlich sei das Phänomen noch jung und die empirische Foundation dafür noch schwach. Naheliegend sei ein erhöhtes Risiko jedoch schon. klein sagt:

“Psychologisch ist es offensichtlich, dass man mit immer angenehmeren Inhaltsstoffen versucht, immer mehr Personen zu erreichen. Das Dampfen an sich ist angenehmer als das Qualmen, was sehr unangenehm im Rachen und im Hals sein kann. Insofern ist das sicherlich eine Absenkung der Einstiegshemnisse. Ob es aber wirklich large Umstiegsprozesse gibt, vielleicht in einem höheren Alter, müsste man abwarten.”

Verbose sind meist nicht ausreichend

Offiziell erlaubt sind Einweg E-Zigaretten seit 2016 erst ab 18 Jahren. Jedoch ist es “für Jugendliche letzten Endes kein Downside, da dranzukommen”, sagt Klein.

Warnhinweise und -bilder auf den Verpackungen der E-Zigaretten wie bei herkömmlichen Zigaretten würde der Psychologe als Maßnahme begrüßen. “Man sollte es aber etwas geschickter machen als bei den Zigaretten. Das ist dann teilweise zu viel Horror.” Jedoch zeigten Studien, dass Warnhinweise durchaus eine abschreckende Wirkung auf unentschlossene Kinder und Jugendlichen haben.

“Die Länder, die die Tabakwerbung frühzeitig verboten haben, haben viel stärkere Rückgänge bei den jugendlichen Einsteigern beim Rauchen als wir.”

Suchtexperte Michael Klein

“Aber diejenigen, die psychologisch entschlossen sind, zu konsumieren, die lassen sich davon auch nicht mehr abhalten. Bis hin zu dem Effekt, dass es sie sogar anzieht”, erklärt Klein. Mögliche Gefahren durch den Konsum würden einfach verdrängt.

Gegen die Werbung von Influencer:innen, die Vapes auf Social Media Kanälen wie TikTok anpreisen und sie zum Coolness-Faktor machen, kommen dröge Warnhinweise ohnehin nicht an. Diese seien für die Jugendlichen “viel glaubwürdiger”, sagt der Psychologe. “Das ist das eigentlich Gefährliche.”

Ein Werbeverbot für Tabak und Tabakprodukte wäre zielführender, wie es für Deutschland ab 2023 bereits beschlossen ist. In anderen Ländern gibt es dieses Verbot schon seit Jahren, doch hierzulande ist die Tabaklobby besonders stark und einflussreich. Dabei schätzt Klein ein Werbeverbot als besonders wirksamen Schritt ein:

“Die Länder, die die Tabakwerbung frühzeitig verboten haben, additionally vor 15 bis 20 Jahren, haben viel stärkere Rückgänge bei den jugendlichen Einsteigern beim Rauchen als wir. Es ist wichtig, dass die Jugendlichen (…) nicht so oft mit solchen Reizen konfrontiert werden im Fernsehen, in Internetforen, an Litfaßsäulen oder im Kino.”

Umweltsünde E-Zigarette

Ein weiteres Downside des Tendencies zur Wegwerf-E-Zigarette: Sie sind nicht nur schädlich für Menschen, sondern auch für die Umwelt. Normale E-Zigaretten können mehrere Jahre verwendet werden, doch Einweg E-Zigaretten werden nach dem Leerdampfen weggeworfen.

Zwar kann auch ein Zigarettenstummel allein 1000 Liter Grundwasser verschmutzen. Doch E-Zigaretten enthalten neben Akkus, die falsch entsorgt Brände auslösen können, auch giftige Stoffe wie Quecksilber, Cadmium und Blei. Diese Schwermetalle können die Gesundheit von Menschen, Tiere und Pflanzen schädigen und sich in der Nahrungskette sowie in der Umwelt anreichern.

Aufgedampfte E-Zigaretten müssten deshalb eigentlich an einer Sammelstelle abgegeben werden, um Rohstoffe wiederverwerten zu können. Doch tatsächlich zeigen Studien wie aus Großbritannien, dass mehr als jede zweite Vape im Hausmüll landet. Dabei werden die Rohstoffe aus den Lithium-Ionen-Akkus dringend gebraucht, zum Beispiel in der Autoindustrie.

Auch in Deutschland werden jeden Monat hunderttausende der Produkte verkauft. Und zum Großteil weggeschmissen, mitsamt wertvoller Ressourcen.

Der Sommer ist vorbei und ihr habt noch Urlaubstage übrig? Dann wird es jetzt mal Zeit, einen schönen Herbst-Journey zu planen, wenn ihr die verbliebenen zwei Wochen nicht wieder ans Jahresende schieben wollt.

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *